Arutam (Ecuador)
Anna Meiser
Philipp Kauppert
Christian Schaniel

Venecia (Ecuador)
Friederike Mieth

YEMINZAHMEN, ARUTAM

von Philip Kauppert

Arutam ist der Name des Geistes des Regenwalds und der Wasserfälle der Shuar-Indianer. Ebenso heißt die kleine Siedlung im südöstlichen Dschungel Ecuadors, wo ich einen Monat lang mit der Familie von Ernesto Vargas wohnen durfte. Wo ich die unglaublich beeindruckende Natur, die einen ab dem ersten Tag an verschlingt, kennen und lieben gelernt habe. Wo wunderbar liebenswerte Menschen mir ihre Lebensweise nähergebracht haben. Wo ich tausend Eindrücke gesammelt habe, die in einem schriftlichen Bericht nicht annähernd Ausdruck finden können.

   

Auch ich – eine kleine Bemerkung: ich kann mich Annas sehr gutem Bericht nur anschließen und diesen fast detailgetreu nachempfinden – war nach meiner Ankunft auf diesem mir zunächst so fremden Kontinent natürlich noch geprägt von europäischen Erwartungshaltungen. Aber Ernestos Ruhe und Gelassenheit erfassten mich bald und ließen mich zumindest erahnen, was es heißen könnte, „im Einklang mit der Natur“ zu leben.

   

Ohne Stress, jedoch in beständiger Arbeit baute ich zusammen mit Ernesto und einigen seiner Kinder ein kleines Haus, welches als erstes Arutams mit den Ziegeln aus eigener Produktion, in der ich auch mitgearbeitet habe, gedeckt wurde. Mit Enrique, Ernestos 17-jährigem Sohn, legte ich sein eigenes Bananenfeld an und durchstreifte ich Tag für Tag den riesigen –2700 ha großen- Schutzwald, der uns dort umgab. Unterstützt wurden wir nach einiger Zeit durch Lars und Eva, zwei Kölner Biologie-Studenten, die sich ebenfalls nach Arutam verirrt hatten.

Begeistert hat mich auch die grundsätzliche Zufriedenheit vieler Menschen, die den Reichtum ihres Dschungels, ihrer Heimat, sehr wertschätzen, obwohl auch vor dieser Gegend unsere sogenannte Zivilisation nicht Halt gemacht und erste Spuren hinterlassen hat. Ich hoffe sehr, dass es viele Menschen dieser Region schaffen werden, an ihren Wurzeln festzuhalten, die für sie so notwendig sind zum Leben, und ohne die ein weiterer Ast der kulturellen Vielfalt unserer Welt sterben müsste.  


Ich glaube, dass Arutam auf einem guten Weg ist, seine Besonderheit zu erhalten. Zwischen urbaner, moderner Welt mit Universitäten und ländlichem, ehemals autarkem Leben. Zwischen Bussen und einer Straße und ihren ewig jungen selbst durch den Wald geschlagenen Fußwegen.
Ich werde euren Weg verfolgen, Arutam, und hoffe, er wird meinen eines Tages wieder kreuzen. Danke.

KASHIN ENYUCATE, ARUTAM

Philip Kauppert

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©cb.07.2003