Arutam (Ecuador)
Anna Meiser
Philipp Kauppert
Christian Schaniel

Venecia (Ecuador)
Friederike Mieth

Anmerkung: Aus den aus diesem Erfahrungsbericht hervorgehenden Gründen kann die Familie Vasco derzeit keine Volontariatsstellen anbieten. Wir wünschen der Familie, dass sich die Umstände bald bessern werden und sind jederzeit bereit, die Zusammenarbeit wieder aufzunehmen.

Das Schutzwald-Team

Erfahrungsbericht von Friederike Mieth

Ende März 2003 startete ich meine Reise nach Ecuador mit dem Ziel, in dem Projekt “Venecia” mitzuarbeiten. Nach kurzem Aufenthalt in Quito fuhr ich nach Baños, wo sich das Reisebüro der Familie Vasco befand.

Ich habe mich dort mit Juan unterhalten, der leider noch nichts von meiner Anreise wusste. Aber er telefonierte sofort mit seinem Bruder Daniel, der in Misahuallí wohnt und somit sehr nah an dem Schutzwald “Venecia”. Als ich den nächsten Tag dann in Misahuallí angekommen bin, habe ich schon gemerkt, dass es etwas schwieriger sein wird, länger in dem Wald zu bleiben. Daniel fühlte sich überfordert, weil er sehr viel Arbeit hatte. Schließlich führte er mich in den Wald, wo ich dann die nächsten vier Tage verbrachte. Nelly, die Älteste der fünf Vasco-Geschwister ist kurz vorher angekommen und blieb mit mir in Venecia. Außerdem wohnte zu der Zeit auch Jonas (ein anderer Bruder) mit einer Freundin in dem Waldstück, aber die beiden arbeiteten in Puerto Napo und waren so den ganzen Tag nicht da.

  innenraum  

Sie zeigten mir viel von dem Waldstück und ich lernte wirklich viel. Nach vielen Gesprächen wurde klar, wie viele Probleme es bereitet, diesen Wald so zu erhalten, wie es im “Plan de Manejo” gefordert wird. Da niemand in dem Waldstück wohnt, sind die Hütten teilweise sehr heruntergekommen. Viele Wege (innerhalb des benutzten Gebietes) sind nur mit Hilfe der Machete begehbar. Das eigentliche Vorhaben der Vascos, sich ihre Existenz durch den Ökotourismus zu sichern, muss nun verhaltener betrachtet werden. Der Tourismus in Ecuador hat während der letzten Jahre sehr abgenommen, teilweise aufgrund der allgemeinen weltpolitischen Lage, aber auch durch den Fakt, dass Ecuador ein immer gefährlicheres Land wird, was wiederum durch die schlechte wirtschaftliche Lage des Landes bedingt ist. Außerdem werden die meisten Reisen in den Oriente nun durch internationale Agenturen organisiert, die die Touristen direkt im Dschungel unterbringen, und nicht mehr durch die Reiseführer vor Ort, wie es vorher der Fall war. Das beeinflusst natürlich auch die finanzielle Sicherheit der Vascos. Das Hauptproblem stellte jedoch das Finden einer Person dar, die sich um die Freiwilligen “kümmern” sollte und deren Arbeit organisieren könnte. Da alle Mitglieder der Familie aus oben genannten Gründen sehr viel arbeiten, fühlt sich keiner in der Lage, diese Aufgabe zu übernehmen.

tisch
Leider musste ich das Waldstück bald wieder verlassen ohne eine richtige Lösung für das Problem gefunden zu haben. Ich blieb während meiner restlichen Zeit im Oriente mit der Familie Vasco in Kontakt und wir setzten uns noch ein paar Mal zusammen, um die “Lage” zu besprechen. Dabei wurden auch andere Aspekte deutlich, z. B. die Bedrohung des Grundstückes durch die neue Pipeline, die sich zur Zeit im Bau befindet. Die Anwohner des Napo werden sozusagen gezwungen, dem Bau zuzustimmen. In der Region gab es zahlreiche Versammlungen, die meist von den dort ansässigen Umweltschutzorganisationen einberufen worden sind. Die Mehrheit der Anwohner und Landbesitzer sind gegen einen Bau der Pipeline, jedoch werden sie in Ecuador, dessen Wirtschaft stark von der Ölförderung durch ausländische Firmen und Investoren abhängt, nicht erhört.  

Im Falle der Vascos wird sich ein eventueller Bau der Pipeline drastisch auswirken: die Pipeline soll direkt durch den Schutzwald führen. Der Ausbau der neuen Pipeline hat Anfang des Jahres begonnen .Auch ein anderes Problem wurde angesprochen. Da sich niemand permanent in dem Waldstück aufhält, gibt es keinerlei Schutz vor illegalem Holzeinschlag. Das Waldstück liegt direkt an einer Strasse und das Holz kann somit schnell abtransportiert werden. Das hat bis jetzt allerdings nur an der Ostseite des Grundstückes stattgefunden; diese Hälfte gehört Wilson Vasco, der in den Vereinigten Staaten lebt. Die andere Hälfte gehört dem Vater der Vascos.

  haus  

Als sich abzeichnete, dass in näherer Zukunft kein Freiwilliger im Schutzwald Venecia arbeiten wird, war ich sehr enttäuscht. Ich habe es teilweise als mein persönliches Versagen empfunden, obwohl hier mehrere ungünstige Umstände zusammengekommen waren, die das Projekt scheitern ließen.
Jedenfalls zeigte mir diese Erfahrung, dass das, was man sich zuhause und in der Theorie vorstellt, nicht wirklich so passieren muss. Ich habe gelernt, dass bei einem solchen Projekt viel mehr Faktoren beachtet werden müssen als ich mir es gedacht habe. Da es auch meine erste Reise in ein sogenanntes Entwicklungsland war, fühle ich mich jetzt ein ganzes Stück weiter und denke, dass ich das nächste Mal nicht mehr so enttäuscht sein werde, wenn nicht alles nach meiner Vorstellung läuft. Da ich nachher noch in einer anderen ökologischen Organisation mitgearbeitet habe, bin ich noch mit Freiwilligenarbeit in Kontakt gekommen, d.h. ich habe im Regenwald gearbeitet und bei Anpflanzungen, Inventuren, Einrichten von Lehrpfaden usw. mitgewirkt. Auch wenn ich nicht mit einer positiveren Nachricht zurückgekehrt bin, habe ich die Zeit in Ecuador sehr genossen und möchte die Erfahrung auf keinen Fall missen. Ecuador ist trotz aller wirtschaftlichen, politischen und ökologischen Probleme ein wunderschönes Land mit einer atemberaubenden Natur und herzlichen Menschen. Ich bin der Organisation Schutzwald e.V. sehr dankbar, dass sie mir das Projekt ermöglicht und mich so gut vorbereitet haben.

Friederike Mieth

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©cb.11.2003