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Anmerkung:
Aus den aus diesem Erfahrungsbericht hervorgehenden Gründen
kann die Familie Vasco derzeit keine Volontariatsstellen anbieten.
Wir wünschen der Familie, dass sich die Umstände bald
bessern werden und sind jederzeit bereit, die Zusammenarbeit wieder
aufzunehmen.
Das Schutzwald-Team
Erfahrungsbericht von Friederike Mieth
Ende März 2003 startete ich meine Reise nach
Ecuador mit dem Ziel, in dem Projekt “Venecia” mitzuarbeiten.
Nach kurzem Aufenthalt in Quito fuhr ich nach Baños, wo
sich das Reisebüro der Familie Vasco befand.
Ich habe mich dort mit Juan unterhalten, der leider
noch nichts von meiner Anreise wusste. Aber er telefonierte sofort
mit seinem Bruder Daniel, der in Misahuallí wohnt und somit
sehr nah an dem Schutzwald “Venecia”. Als ich den
nächsten Tag dann in Misahuallí angekommen bin, habe
ich schon gemerkt, dass es etwas schwieriger sein wird, länger
in dem Wald zu bleiben. Daniel fühlte sich überfordert,
weil er sehr viel Arbeit hatte. Schließlich führte
er mich in den Wald, wo ich dann die nächsten vier Tage verbrachte.
Nelly, die Älteste der fünf Vasco-Geschwister ist kurz
vorher angekommen und blieb mit mir in Venecia. Außerdem
wohnte zu der Zeit auch Jonas (ein anderer Bruder) mit einer Freundin
in dem Waldstück, aber die beiden arbeiteten in Puerto Napo
und waren so den ganzen Tag nicht da.
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Sie zeigten
mir viel von dem Waldstück und ich lernte wirklich viel.
Nach vielen Gesprächen wurde klar, wie viele Probleme es
bereitet, diesen Wald so zu erhalten, wie es im “Plan de
Manejo” gefordert wird. Da niemand in dem Waldstück
wohnt, sind die Hütten teilweise sehr heruntergekommen. Viele
Wege (innerhalb des benutzten Gebietes) sind nur mit Hilfe der
Machete begehbar. Das eigentliche Vorhaben der Vascos, sich ihre
Existenz durch den Ökotourismus zu sichern, muss nun verhaltener
betrachtet werden. Der Tourismus in Ecuador hat während der
letzten Jahre sehr abgenommen, teilweise aufgrund der allgemeinen
weltpolitischen Lage, aber auch durch den Fakt, dass Ecuador ein
immer gefährlicheres Land wird, was wiederum durch die schlechte
wirtschaftliche Lage des Landes bedingt ist. Außerdem werden
die meisten Reisen in den Oriente nun durch internationale Agenturen
organisiert, die die Touristen direkt im Dschungel unterbringen,
und nicht mehr durch die Reiseführer vor Ort, wie es vorher
der Fall war. Das beeinflusst natürlich auch die finanzielle
Sicherheit der Vascos. Das Hauptproblem stellte jedoch das Finden
einer Person dar, die sich um die Freiwilligen “kümmern”
sollte und deren Arbeit organisieren könnte. Da alle Mitglieder
der Familie aus oben genannten Gründen sehr viel arbeiten,
fühlt sich keiner in der Lage, diese Aufgabe zu übernehmen.
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Leider musste ich das Waldstück
bald wieder verlassen ohne eine richtige Lösung für das
Problem gefunden zu haben. Ich blieb während meiner restlichen
Zeit im Oriente mit der Familie Vasco in Kontakt und wir setzten
uns noch ein paar Mal zusammen, um die “Lage” zu besprechen.
Dabei wurden auch andere Aspekte deutlich, z. B. die Bedrohung des
Grundstückes durch die neue Pipeline, die sich zur Zeit im
Bau befindet. Die Anwohner des Napo werden sozusagen gezwungen,
dem Bau zuzustimmen. In der Region gab es zahlreiche Versammlungen,
die meist von den dort ansässigen Umweltschutzorganisationen
einberufen worden sind. Die Mehrheit der Anwohner und Landbesitzer
sind gegen einen Bau der Pipeline, jedoch werden sie in Ecuador,
dessen Wirtschaft stark von der Ölförderung durch ausländische
Firmen und Investoren abhängt, nicht erhört. |
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Im Falle
der Vascos wird sich ein eventueller Bau der Pipeline drastisch
auswirken: die Pipeline soll direkt durch den Schutzwald führen.
Der Ausbau der neuen Pipeline hat Anfang des Jahres begonnen .Auch
ein anderes Problem wurde angesprochen. Da sich niemand permanent
in dem Waldstück aufhält, gibt es keinerlei Schutz vor
illegalem Holzeinschlag. Das Waldstück liegt direkt an einer
Strasse und das Holz kann somit schnell abtransportiert werden.
Das hat bis jetzt allerdings nur an der Ostseite des Grundstückes
stattgefunden; diese Hälfte gehört Wilson Vasco, der
in den Vereinigten Staaten lebt. Die andere Hälfte gehört
dem Vater der Vascos.
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Als sich
abzeichnete, dass in näherer Zukunft kein Freiwilliger im
Schutzwald Venecia arbeiten wird, war ich sehr enttäuscht.
Ich habe es teilweise als mein persönliches Versagen empfunden,
obwohl hier mehrere ungünstige Umstände zusammengekommen
waren, die das Projekt scheitern ließen.
Jedenfalls zeigte mir diese Erfahrung, dass das, was man sich
zuhause und in der Theorie vorstellt, nicht wirklich so passieren
muss. Ich habe gelernt, dass bei einem solchen Projekt viel mehr
Faktoren beachtet werden müssen als ich mir es gedacht habe.
Da es auch meine erste Reise in ein sogenanntes Entwicklungsland
war, fühle ich mich jetzt ein ganzes Stück weiter und
denke, dass ich das nächste Mal nicht mehr so enttäuscht
sein werde, wenn nicht alles nach meiner Vorstellung läuft.
Da ich nachher noch in einer anderen ökologischen Organisation
mitgearbeitet habe, bin ich noch mit Freiwilligenarbeit in Kontakt
gekommen, d.h. ich habe im Regenwald gearbeitet und bei Anpflanzungen,
Inventuren, Einrichten von Lehrpfaden usw. mitgewirkt. Auch wenn
ich nicht mit einer positiveren Nachricht zurückgekehrt bin,
habe ich die Zeit in Ecuador sehr genossen und möchte die
Erfahrung auf keinen Fall missen. Ecuador ist trotz aller wirtschaftlichen,
politischen und ökologischen Probleme ein wunderschönes
Land mit einer atemberaubenden Natur und herzlichen Menschen.
Ich bin der Organisation Schutzwald e.V. sehr dankbar, dass sie
mir das Projekt ermöglicht und mich so gut vorbereitet haben.
Friederike Mieth
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