Allgemeines Leitbild zu unserem Engagement im Golf von Guayaquil

(entwickelt im Rahmen von gemeinsamen Workshops mit unseren Partnerorganisationen)


Das allgemeine Ziel aller Aktivitäten, die im Rahmen der Konzession zum Schutz und zur nachhaltigen Nutzung der Mangroven im Inneren Golf von Guayaquil angestrengt werden, ist:

„Eine angemessene und verantwortungsvolle Nutzung der lokalen Ressourcen durch die Beteiligten, die sowohl einen Erhalt des Ökosystems, als auch ein 'gutes Leben' (buen vivir) der BewohnerInnen ermöglicht.“

Die Akivitäten bauen auf lokalen Initiativen auf,

die durch multi-institutionellen Arrangements unterstützt werden,

und fördern grösstmögliche Partizipation der lokalen Bevölkerung der Konzession und deren Einflussbereichs,

nicht nur im formalen institutionellen Sinne, sondern auch durch den Aufbau von Kompetenzen und Kapazitäten der lokalen Initiativen.

Vor dem Hintergrund einer zunehmenden Bedrohung und Zerstörung der Mangroven durch die Expansion der industriellen Garnelenzucht (1980 – 2000) führte das ecuadorianische Umweltministerium im Jahr 1999/2000 eine gemeindebasierte Strategie zum Erhalt der Mangroven ein.

Seit dem Jahr 2000 hält die Asociación de Usuarios del Manglar Cerrito de los Morreños (AUMCM) in Kooperation mit der Fundación Cerro Verde (FCV), dem Schutzwaldverein e.V. und der Fundación Ambientar eine vom ecuadorianischen Umweltministerium ausgestellte Konzession zum Schutz und zur nachhaltigen Nutzung von 3.400 ha Mangroven im Golf von Guayaquil. Nach Ablauf der Konzession im Jahr 2010 erreichten die Basisorganisationen der Junta de Manejo Participativo Comunitario (JUMAPACOM) im Jahr 2011, diese – mit Unterstützung von NROs (FCV, Schutzwaldverein, Fundación Ambientar, Fundación Balsa Ecuatroiana) und der Umweltabteilung der Provinzregierung der Provinz Guayas – um 10 weitere Jahre zu verlängern (2011-2021) und, basierend auf den Erfahrungen und Erfolgen des ersten Jahrzehnts sowie unter Einbeziehung neuer Partnergemeinden (Puerto Libertad, Bellavista, Santa Rosa und weitere kleinere Siedlungen) und deren Organisationen, auf eine Mangrovenfläche von 10.800 ha zu erweitern. Die Konzession ist die größte von mehreren Mangrovenkonzessionen, die vom ecuadorianischen Umweltministerium an Organisationen traditioneller MangrovennutzerInnen vergeben wurden, um die verbleibenden Mangroven des Landes zu erhalten.

Unter Einbezug und mit Hilfe der lokalen Bevölkerung sollen Wege gefunden werden, die Mangroven als Ökosystem mit ihrer biologischen Vielfalt sowie die kulturelle Vielfalt der alteingesessenen Fischergemeinden zu bewahren.

Das Modell des Ressourcenmanagaments, das durch die JUMAPACOM, die FCV, den Schutzwaldverein und die anderen Organisationen im Konzessionsgebiet praktiziert wird, umfasst drei Ebenen:



1) Der Aufbau einer nachhaltigen Grundversorgung innerhalb der alteingesessenen Gemeinden zur Verbesserung der Lebensqualität.

2) Nachhaltige (angemessene und verantwortliche) Gestaltung der traditionellen Nutzungsformen der Mangroven (insbesondere das Fischen und Sammeln von Meeresfrüchten, z.B. durch die Einführung und Einhaltung von Schonzeiten) und – im Sinne einer Diversifizierung der Erwerbsstruktur – neuer Nutzungsformen (z.B. Krebs- und Muschelzucht in Gehegen; aber auch sog. microempresas im Bereich Ökotourismus, Recycling, Wasserversorgung, Lebensmittelhandel etc.).

3) Stärkung der Selbstorganisation der Gemeinden, um die Partizipationchancen zu erhöhen und selbstbestimmte Entscheidungen zu ermöglichen

Zusätzliche institutionelle Vereinbarungen wie die Erklärung des Gebiets zur RAMSAR-Stätte “Humedal Internacional Don Goyo“ sollen diese Bemühungen weiter fördern.

Im Rahmen gemeimsamer Workshops über Qualitätsentwicklung in Freiwilligendiensten in vier der Gemeinden wurden zentrale Aspekte erarbeitet, die ein künftiges buen vivir in der Region ausmachen sollen, und als folgende Vision der Gemeinden für das Jahr 2021 formuliert:

  • Die Gemeinden verstehen sich als Öko-Gemeinden (eco-comunidades) mit eigenen Lebensformen und kulturellen Kenntnissen.

  • Die BewohnerInnen sind organisiert und ausgebildet, sodass sie eigene Entscheidungen kompetent und informiert treffen können. Es hat sich ein soziales und gemeindeorientiertes Bewusstsein ausgebildet.

  • In jeder Gemeinde besteht ein Gemeinde-Reglement, das z.B. den Alkoholausschank und die Haltung der Schweine regelt und den Zugang der Kinder und Jugendlichen zur Bildung gewährleistet.

  • Die profesionales (Lehrer, Techniker, etc.) befinden sich in den eigenen Reihen und kommen nicht mehr (nur) von außen.

  • Es gibt eine weiterführende Schule auf Konzessionsebene mit täglichem Unterricht (colegio presencial) und guter Infrastruktur und Ausstattung.

  • Es bestehen Gemeinde- und Kulturzentren (centros comunales con interpretación cultural). Die Sportplätze sind in einem guten Zustand und mit Flutlicht ausgestattet. Es finden regelmäßige Tuniere statt.

  • Die Versorgung mit Energie ist verbessert, gleichzeitig wird diese verantwortungsvoller konsumiert (sowohl privat als auch in den kleinen Unternehmen). Ein Großteil des Stroms stammt aus regenerativen Quellen, die Solarzellen sind von der Straße auf die Dächer verlagert.

  • Es besteht eine ökologische Abwasserentsorgung in Form von Trockenklos sowie Duschen und Waschstellen mit Brauchwassertrennung für alle Haushalte.

  • Der Müll wird getrennt und regelmäßig in die Stadt abtransportiert. Recycling stellt eine der Einkommensquellen dar.

  • Es besteht eine nachhaltige interkulturelle Gesundheitsversorgung, sowohl durch besser ausgestattete Gesundheitsstationen (Puesto de Salud), als auch durch dezentrale und präventive Aktivitäten: regelmäßige Arztbesuche mit Hilfe der lokalen Gesundheitspromotoren, Integration ins nationale Gesundheitssystem.

  • Die nachhaltige Grundversorgung (servicios basicos) ist selbsttragend (autogestión).

  • Der Tourismus stellt eine Einkommensquelle für viele dar, indem Mitglieder aus allen Familien z.B. als TouristenführerInnen ausgebildet sind und eigene kleine Unternehmen betreiben können. Die Einkommen aus dem Tourismus verteilen sich gerecht und ermöglichen auch die Finanzierung von Projekten auf Gemeindeebene. Die touristischen Attraktionen sind identifiziert und es besteht eine zufriedenstellende touristische Infrastruktur.

  • Es besteht ein öffentlicher Schiffsverkehr, der die Gemeinden untereinander und mit der Stadt verbindet. Jede Gemeinde ist mit einem soliden Anlegesteg ausgestattet, evt. auch mit einer kleinen Uferpromenade. Die Wasserwege sind sicher.

  • Die Kommunikation zwischen den Gemeinden ist erleichtert, z.B. durch Festnetzanschlüsse, Radio oder einer Zeitung für das Konzessionsgebiet.

  • Durch ein gutes Monitoringsystem gibt es keine illegalen Fischereiaktivitäten mehr.

  • Es besteht eine Direktvermarktung der Fangprodukte. Das Verhältnis zu den Garnelenzuchtbetrieben ist gut, sodass ein sicherer Zugang zu den Mangroven und Gewässern besteht. Es gibt keine Gewässerverschmutzung durch die Garnelenzucht mehr. Die DorfbewohnerInnen sind ausgebildet für Aquakultur und betreiben diese als eine zusätzliche Einkommensquelle. Die Fisch- und Fangtätigkeiten erfolgen mit einem Verständnis für nachhaltige Nutzung.