Cerrito de los Morreños

Der Ort, in dem wir am meisten tätig sind und in dem die meisten Freiwilligen arbeiten, heißt Cerrito de los Morreños und liegt auf einer kleinen Insel im Golf von Guayaquil. Hier leben ca. 400 Menschen, die sich am Rande der Insel angesiedelt haben. Die Häuser stehen bunt gemischt, teilweise als Pfahlbauten über dem Wasser, teilweise aus Stein am Hang des Hügels (Cerrito bedeutet Hügelchen) und bilden eine Art Hufeisen. Das Zentrum des Dorfes bilden eine kleine Kirche und ein Sportplatz. Diese bieten Raum für Dorfversammlungen, sportliche Aktivitäten und farbenfrohe Feste. Die Haupteinkommensquelle der Bewohner bildet der Fisch- und Krebsfang. Tag für Tag und zu günstigen Gezeiten auch nachts, fahren die Fischer mit ihren Holzkanus in die Mangroven und umliegenden Flussarme um ihr Überleben zu sichern. Ihren Fang verkaufen sie an mobile Zwischenhändler. Diese körperlich schwere Arbeit wird meist von Männern verrichtet. Die Frauen des Dorfes gehen der täglichen Hausarbeit nach oder sammeln Muscheln und schlagen Austern von den Wurzeln der Mangroven. Von besonderer Wichtigkeit ist dabei die umliegende und ca. 11 000 ha Mangrovenwald umfassende Schutzkonzession. In diesem Areal genießen die Golfo-Bewohner besondere Nutzungsrechte. Somit soll der Erhalt ihrer soeben beschriebenen Lebensgrundlage gewährleistet werden. Im Gegenzug wurden die Bewohner dieser Region vom ecuadorianischen Umweltministerium zu Aufpassern und Förstern, Nutzern und Beschützern zugleich gemacht. Allerdings befinden sich in der Konzession auch unzählige Shrimpsfarmen, deren Präsenz direkte (z.B. Zugangsverbote zu Fanggebieten) und indirekte (z.B. Umweltverschmutzung und Rückgang der Fangerträge) Auswirkungen auf die Gemeinden im Golfo hat. Dazu kommt es immer wieder zu heftigen Spannungen bis hin zu gewalttätigen Konflikten. Soziale Spannungsfelder lassen sich aber auch auf Cerrito de los Morreños selbst diagnostizieren: Das Zusammenleben auf so engem Raum und die abgeschottete Lage der Insel bringen vor allem im Gesundheits- und Hygienebereich sowie in den Bereichen Bildung, Technik und Trinkwasserversorgung ganz konkrete Probleme mit sich. Der Schutzwaldverein e.V. möchte zusammen mit der Gemeinde sowie der Partner-NGO vor Ort („Cerro Verde“) diese Problemfelder erkennen, diskutieren und Verbesserungsvorschläge erarbeiten und konkretisieren. In den vergangenen 10 Jahren hat der Verein bereits viele Freiwillige aus Deutschland entsandt, die diesen Prozess unterstützt haben.

Beispiele hierfür sind die Unterstützung bei der Errichtung einer Schule, der Bau einer Krankenstation und die Einrichtung eines Systems zur Trinkwasserversorgung. Neben dieser infrastrukturell orientierten Beteiligung (Cerrito TWA), gehört auch die auf Soziales ausgerichtete: So zum Beispiel das Entsenden einer/eines Freiwilligen mit Lehrauftrag (Cerrito LK) oder das Entsenden einer/eines Gesundheits- und Krankenpflegerin/-pflegers (Cerrito GSG). Kürzere Aufenthalte, sogenannte „ungeregelte Freiwilligendienste“ oder längere, über das weltwärts-Programm des BMZ regulierte, sind beim Schutzwaldverein e.V. möglich.

Erfahrungsberichte:

von Gina Welsing

von Katharina Werner

von Martin Hörle