Leitbild für die Freiwilligendienste

(entwickelt im Rahmen von gemeinsamen Workshops mit unseren Partnerorganisationen; Stand: März 2017)

 

Freiwilligendienste in den Gemeinden des Konzessiongebiets des Estuario Interior Central del Golfo de Guayaquil haben in den vergangenen Jahren entscheidend zum Erfolg der Aktivitäten und Bemühungen auf dem Weg zu einem Modell des buen vivir beigetragen und sollen auch in Zukunft eine Schlüsselrolle bei der Zusammenarbeit spielen.

Seit 2003 unterstützt der Schutzwaldverein e.V. die Umsetzung der Konzession durch die Organisation von Freiwilligendiensten im Rahmen des Programms „Voluntarios por la Biodiversidad”, das gemeinsam mit der Fundación Cerro Verde in verschiedenen Projekten an der Costa Ecuadors entwickelt wurde und zusammen mit der Asociación de Usuarios del Manglar Cerrito de los Morreños (AUMCM) im Golf von Guayaquil eingeführt wurde.

Nach einigen kürzeren Einsätzen ungeregelter Freiwilligendienste wurde 2005 in der größten Gemeinde des Konzessionsgebiets (Cerrito de los Morreños) ein Einsatzplatz für den Anderen Dienst im Ausland (ADiA) geschaffen, durch den bis einschließlich 2008 ein kontinuierlicher Englisch- und Computerunterricht in der Dorfschule sowie einen permanenter Kontakt mit der Gemeinde zur Verbesserung der partizipativen Gestaltung von Projekten im Rahmen der Konzession ermöglicht. Seit Sommer 2008 erfolgen einjährige Freiwilligeneinsätze mithilfe der Förderung durch das weltwärts-Programm, dem entwicklungspolitischen Freiwilligendienst des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Aktuell werden jährlich sieben Freiwillige in verschiedenen Gemeinden des Konzessionsgebiets eingesetzt.

Ziel des Freiwilligendienst ist der kulturelle Austausch und die Förderung gegenseitigen globalen und lokalen Lernens aller Beteiligten.

Der Fokus des Freiwilligendiensts liegt auf der Unterstützung der Initiativen der Gemeinden, indem durch den Aufbau eines kontinuierlichen Kontakts und Austauschs das Ziel verfolgt wird, die Partizipation in der Ausarbeitung und Umsetzung von Projekten zu verbessern.

Die Arbeitsschwerpunkte liegen in je einem der Projektschwerpunkte Bildungsförderung, Aufbau einer lokalen Gesundheitsversorgung, Aufbau einer verbesserten Trinkwasser- und weiteren Grundversorgung, Verbesserung der ökonomischen Situation, Erhalt des Ökosystems und Förderung kultureller und touristischer Aktivitäten sowie der Selbstorganisation. Zusätzlich gibt es verschiedene Aktivitäten im Rahmen ungeregelter Freiwilligendienste oder Praktika, die sich mit Fragen zu einem nachhaltigen Ressourcenmanagement mit partizipativem Ansatz im Rahmen des Modells auseinandersetzen.

Der Lebens- und Arbeitsschwerpunkt der Freiwilligen liegt während ihres Auslandsjahrs in einer der Fischergemeinden inmitten der Inseln im Golf von Guayaquil. Sie sollen somit zum einen die Lebensweise der Inselbewohner_innen mit all ihren Besonderheiten und Schwierigkeiten kennenlernen. Zum anderen können sie auch die Kontraste zwischen dem Leben in der ländlichen Gemeinde und einerseits ihrer Lebensrealität in Deutschland, andererseits der des städtischen Lebens erfahren, mit dem sie durch regelmäßige Aufenthalte in Guayaquil und v.a. durch die Kontakte zu und Zusammenarbeit mit FCV und anderen Projektpartnern in der Stadt verbunden sind. Diese Perspektive ermöglicht ihnen eine direkte, basis- und praxisnahe Ersterfahrung in der Entwicklungszusammenarbeit. Da keiner der von außen kommenden Akteure (FCV, Schutzwaldverein e.V.) so nahe an der lokalen Bevölkerung ist wie die Freiwilligen, werden sie zu einem wichtigen Bindeglied in der Interaktion der Beteiligten. Ihre Einschätzungen werden ernst genommen, um ein hohes Maß an Partizipation und ein gutes Gelingen der einzelnen Teilprojekte zu ermöglichen. In diesem Zusammenhang ist die Ausbildung von lokalen Führungskräften im Projektmanagement (Planung und Durchführung im Rahmen des Projektprogramms des Schutzwaldvereins) von Bedeutung. Auch stellt der Freiwilligendienst eine Möglichkeit für die Bewohner_innen der Konzession dar, andere Kulturen sowie die Wertschätzung kennenzulernen, die mit der Förderung durch das weltwärts-Programms den Tropenwäldern und den anzestralen Kulturen entgegengebracht wird.

Durch ihren langfristigen und intensiven Aufenthalt erbringen die Freiwilligen einen entscheidenden Beitrag zur Verständigung zwischen den verschiedenen Partnern und zu einem gegenseitigen, interkulturellen Lernprozess.

In ihren jeweiligen Arbeitsschwerpunkten leisten sie einen Beitrag als „aktive Helfer_innen, indem sie unter Anleitung der Lehrer_innen Englisch-, Deutsch- und PC- sowie Kenntnisse in Umweltkunde in den Dorfschulen vermitteln, beim Aufbau einer nachhaltigen Gesundheitsversorgung und bei der Umsetzung einer verbesserten Trinkwasserversorgung sowie weiterer Grundversorgungsprojekte (u.a. Abwasserentsorgung, Müllentsorgung) mitwirken.

Dadurch, dass diese Tätigkeiten in steter Begleitung der Verantwortlichen vor Ort (AUMCM, Asociación de Usuarios y Defensores del Manglar Puerto Libertad, Asociación de Cangrejeros y Pescadores Chupadores Chico sowie die Gemeinderäte Comités Pro Mejoras der Gemeinden), von FCV und aus der Ferne vom Schutzwaldverein e.V. erfolgen, reifen interkulturelle, soziale und organisatorische Kompetenzen bei den Freiwilligen ebenso wie bei den anderen Beteiligten. Im Alltag, in Gesprächen mit den Betreuungspersonen bei der Partnerorganisation sowie beim Schutzwaldverein e.V., und besonders bei den die Maßnahme begleitenden Seminaren erfolgt ein intensiver Reflexionsprozess, der sich auch nach der Rückkehr nach Deutschland fortsetzt. Der Verein soll den zurückgekehrten Freiwilligen ermöglichen, sich weiter im Projekt zu engagieren, den Kontakt mit den Partnern in Ecuador zu bewahren und einen Rahmen für die Verarbeitung und weitere Auseinandersetzung mit der prägenden Auslandserfahrung zu schaffen. Auf diese Weise soll sich eine Fortsetzung des sozialen und ökologischen Engagements der Freiwilligen nach ihrer Rückkehr nach Deutschland ergeben. Unter anderem wirken Ehemalige aktiv in der Begleitung künftiger Freiwillige und an einer Vernetzung des Modells des buen vivir der Konzession mit.

Als besondere Vorteile der Freiwilligen wurde während der Workshops in den Gemeinden in den Jahren 2013 und 2015 von den Bewohner_innen basierend auf den bisherigen Erfahrungen folgende Aspekte genannt:

  • Weitergabe von Wissen im Unterricht und in Kursen (v.a. Englisch, u.a. als Vorbereitung auf den Tourismus; Computerkunde als Beitrag zur besseren Vernetzung nach außen sowie als Kompetenz fürs Studium oder für berufliche oder gemeindepolitische Aktivitäten, z.B. Internetrecherche oder das Erstellen von Anträgen und Berichten; Umweltkunde als Beitrag zum Aufbau eines Bewusstseins für den Wert der Mangroven)

  • Motivation zu und Begleitung der Umsetzung von gemeinschaftlichen Aktivitäten (z.B. mingas de limpieza, Reparatur des Anlegestegs, Sportveranstaltungen, Musikveranstaltungen, Wiederaufforstung)

  • Förderung von Gruppenarbeit, Aufbau von Jugendgruppen in den Gemeinden

  • Beteiligung an Projektmaßnahmen wie z.B. der Errichtung von Wassertanks mit Zapfstellen

  • Förderung kulturellen Austauschs, kreative Bereicherungen, Freundschaften

Um diese Vorteile nutzen und die Ziele der Freiwilligendienste erreichen zu können, sind eine gute Koordination sowie eine Lern- und Integrationsbereitschaft aller Beteiligten erforderlich.

 

Es ist das erklärte Ziel der Junta de Manejo Participativo Comunitario (JUMAPACOM), der Fundación Cerro Verde und des Schutzwaldvereins e.V. ein Süd-Nord-Programm aufzubauen, in dessen Rahmen Menschen aus dem Konzessionsgebiet bei vergleichbaren Initiativen in Deutschland einen Freiwilligendienst leisten können.

Außerdem wird der Austausch mit weiteren Gemeinden des Golfs von Guayaquil gesucht um sie zu ermutigen sich an dem Prozess für ein buen vivir in der Region zu beteiligen.

 

Die AUMCM, die weiteren Basisorganisationen der JUMAPACOM (die Asociación de Usuarios y Defensores del Manglar Puerto Libertad und die Asociación de Cangrejeros y Pescadores Chupadores Chico), die Fundación Cerro Verde und der Schutzwaldverein e.V. verbinden mit der Beteiligung an der Süd-Nord-Komponente des weltwärts-Programms folgende Leitideen und Ziele:

  • Vermittlung von ökologischem, sozialem und kulturellem Verantwortungsbewusstsein für das Gemeinwohl (Bildung für nachhaltige Entwicklung, buen vivir) bei den Freiwilligen.

  • Reifung von interkulturellen, sozialen und organisatorischen Kompetenzen bei den Freiwilligen, aber auch bei den anderen Beteiligten (Aufnahmeorganisation, Einsatzstellen).

  • Einsatz der Freiwilligen in Arbeitsfeldern, die für sie auch in ihrem Land eine praktische Bedeutung haben, damit sie dadurch Kompetenzen erwerben, die ihnen später in ihrem Leben und für ihre Gemeinden von Nutzen sein werden.

  • Gegenseitiger Erfahrungs- und Wissenstransfer in diesen Arbeitsfeldern.

  • Unterstützung der Projekte der Einsatzstelle.

  • Beitrag zur Präsentation und Vernetzung der Initiative der Mangrovenschutzkonzession in Deutschland durch die Süd-Nord-Freiwilligen.

  • Austausch, Solidarität und gegenseitiges Lernen zwischen Süd-Nord- und Nord-Süd-Freiwilligen.

  • Nach der Rückkehr nach Ecuador transportieren die Freiwilligen ihre Erfahrungen und erworbenen Kompetenzen ins alltägliche Leben und in ihren weiteren beruflichen Werdegang. Wünschenswert ist eine Fortsetzung ihres entwicklungspolitischen Engagements im Rahmen der Mangrovenschutzkonzession oder anderer Initiativen zum Guten Leben (buen vivir).

  • Mitwirkung der zurückgekehrten Freiwilligen bei der Vorbereitung und Begleitung weiterer Süd-Nord-Freiwilliger sowie bei der Begleitung der Nord-Süd-Freiwilligen.

  • Weitere Annäherung an eine Partnerschaft auf Augenhöhe.

  • Stärkung der Partnerorganisationen durch das Engagement und die gewonnenen Erfahrungen der zurückgekehrten Süd-Nord-Freiwilligen.

  • Beförderung eines Austauschs zu Initiativen für buen vivir zwischen Gemeinden in Deutschland und Ecuador.